Essen wie Odin in Skandinavien

Von Smørrebrød bis zur

Nordic Cuisine!

Mein erstes Wort auf Dänisch war „is“ – Eis. Ganz klar, ich war ja noch keine vier Jahre alt. Auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm gab es das beste „soft is“, das Krølle-Bølle-Eis. Benannt nach dem berühmten Troll. Eine äußerst sahnig-cremige Angelegenheit. Nach dem kunstvollen Einfüllen in die meist von Hand gefertigte Waffel wurde das Eis nämlich noch großzügig durch eine Kakao-Zimt-Zucker-Mischung gedreht. Lecker!

Ansonsten fand ich die dänische Küche eher langweilig. Die Heißwürstchen – die legendären Pølser – waren tiefrot, aber leider nicht besonders knackig und auch die Salami in schreiendem Pink konnte mich geschmacklich nicht überzeugen. Glücklicherweise hat sich seit den 1970ern eine ganze Menge getan – und das nicht nur im Staate Dänemark, sondern in ganz Skandinavien. Kreativ und leicht kommt sie daher, die neue Nordic Cuisine. Moltebeeren, fangfrische Fische und zartes Rentier-fleisch sind nur einige angesagte Zutaten, mit denen die Küche aus dem hohen Norden auch die Michelin-Tester begeistert, die fleißig Sterne verteilen. Was aber macht sie aus – diese neue Küche aus dem Norden? Vielleicht ist es die Rückbesinnung auf das, was die Heimat in Seen, Meeren und Wäldern zu bieten hat. So experimentieren nicht nur Sterne-Köche mit alten Obst- und Gemüsesorten. Topinambur, Quitten, Waldsauerklee und Pastinaken halten Einzug in die Küche wie auch Tiefseekrabben, Scholle und Seetang. Wichtig  ist die schonende Zubereitung, damit die Nährstoffe erhalten bleiben. Auffällig ist, dass die neue Nordic Cuisine ohne viel Schnick und Schnack auskommt. Es ist die Einfachheit und die Geradlinigkeit, die ihren Charme ausmacht – ähnlich wie beim weltberühmten skandinavischen Design: über-sichtlich, reduziert und ganz direkt. Wie auch bei den traditionellen Gerichten, die man zum Teil gut nachkochen kann. Die Finnen machen aus zartem Rentierfleisch ein herrliches Geschnetzeltes mit leckerem Kartoffelpüree. Und sie lieben ihre Piroggen – gefüllt mit leicht gesalzenem Milchreis. Die Norweger schwören auf Hering in allen Variationen, und die Schweden servieren neben den legendären Köttbullar – nur echt mit Lingonsylt, ein Kompott aus säuerlichen Preiselbeeren – gern Elchfleisch. Ein Smørrebrød in Dänemark ist nicht einfach nur ein Butterbrot, sondern es handelt sich vielmehr um kunstvoll belegte Brotscheiben. Darauf kommen Hering, Krabben, Roastbeef, Zwiebel, Gewürzgurken und vieles mehr. Außerdem ist die Nähe zu Norddeutschland spürbar. Auch bei den Dänen kommen Labskaus und Rote Grütze auf den Tisch. Apropos Dessert. Unsere nordischen Nachbarn sind ausgesprochene Naschkatzen. Zum Nachtisch gibt’s süße Backwaren, üppige Torten und natürlich Kaffee. Nach einem großartigen Essen in hyggeliger Atmosphäre kann man den Dänen nur in Landessprache danken: Tak for mad!

 

Nordische Küche

Schnörkellos & unkompliziert
Im Restaurant Sæson im Berliner Guldsmeden Hotel geht es so richtig hyggelig zu. Der dänische Küchenchef René Beck Hansen überzeugt mit frischer, regionaler Küche. Skandinavische Gerichte und Snacks – modern interpretiert – stehen auf dem Programm. Und selbstver-ständlich stammen die meisten Zutaten, die im Sæson auf den Teller kommen, von Biobauern aus der Region. Typisch nordisch!

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Wir verlosen 1 x 1 Lunch für 2 Personen im Sæson in Berlin (keine Getränke, keine Anreisekosten inkludiert). Teilnahme bis zum 31.07.2018

Restaurant sæson im Hotel Lulu Guldsmeden
Potsdamer Straße 68
10785 Berlin

Lunch Montag bis Samstag 12:00 – 14:30 Uhr
Hier finden Sie das aktuelle Lunchmenü.

Smørrebrød mit Hering

Herring 3Gericht für: 4 Personen

4 Filets vom fermentierten oder Matjes-Hering (insgesamt 250 g)
100 g Zucker
4 Eier
1 Teelöffel Mayonnaise
40 g Buchweizen
4 Scheiben Roggenbrot
ein bisschen Dill
halbgetrocknete Tomaten, ca. 100 g
Salz und Pfeffer
Öl, Apfelessig

 

Apfelessig mit 200 ml Wasser und Zucker aufkochen lassen. Anschließend mit Salz abschmecken. Abkühlen lassen und über den Hering gießen. Mindestens einen Tag im Kühlschrank ziehen lassen.
Eier 12 Minuten lang kochen. Pellen und in kleine Stückchen hacken. Mit der Mayonnaise glatt rühren. Mit Salz, Pfeffer und Apfelessig würzen.
Etwas Öl in eine heiße Pfanne geben. Öl darin erhitzen und Buchweizenkörner einige Minuten lang rösten, bis sie braun werden. Anschließend auf Küchenpapier abtropfen lassen. Die Körner in einer Schüssel mit etwas Salz und Pfeffer verrühren.
Hering auf Roggenbrot mit Eiersalat, geröstetem Buchweizen, halb getrockneten Tomaten und Dill anrichten. god aptit!

Buch-Tipp

9783841901200_Noma

NOMA – Zeit und Ort in der Nordischen Küche

René Redzepi
Mittlerweile schon legendär: Das Noma in Kopenhagen wurde bereits vier Mal als bestes Restaurant der Welt ausgezeichnet. Mit 25 Jahren wurde René Redzepi 2003 nicht nur Mitbegründer des späteren Sternehauses, sondern auch Chefkoch. Das Buch gibt einen exklusiven Einblick in seine Philosophie und Kreativität. Neben 90 verblüffenden und inspirierenden Rezepten werden auch Redzepis Lieferanten vorgestellt, die mit Leidenschaft und Hingabe Zutaten von höchster Qualität produzieren. Wunderschön bebildert und lesenswert. Edel Book, 49,95 www.edel.com

Text: Stefanie Gomoll | Fotos: Guldsmeden Hotels, Viktoria Lagos

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