Süffiger Sommer-Soundtrack

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Prickelnd soll er sein, natürlich und gut gekühlt. Wein ist das perfekte Getränk für einen lauen Sommerabend. Vorzugsweise leicht und weiß. Auch Sekt ist wieder stark gefragt. So geht der süffige Soundtrack für den Sommer.

Deutsche Weißweine haben in den vergangenen Jahren im weltweiten Wettbewerb um die Gunst der Weinkenner ordentlich zugelegt. Und das nicht nur als Heimspiel, auch auf europäischen Weinkarten sind sie Zuhause und vergrößern ihre Fangemeinde. Wie das gelingt? Weine mit Ecken und Kanten sind schwer angesagt. Und es gibt gerade in jüngster Zeit viele spannende Cuvées. Die Winzer aus deutschen Landen sind mutig und experimentierfreudig. Bestes Beispiel sind die Kreationen aus dem Hause Lorenz. Mit „Kopfstand“ stellt das Familienweingut mit über 200-jähriger Tradition die Weinwelt buchstäblich auf den Kopf. Der 2016er: eine Cuvée aus Rivaner, Cabernet Blanc und Riesling. Kann das denn schmecken? Und ob! Den Winzern aus Friesenheim ist ein höchst spannender Wein gelungen, der auch die Experten überzeugte und der Laie freut sich über einen ungewöhnlichen und frischen Weißen im Glas. Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der Freiheit, denn im Winter wird der Weinberg eben nicht bei Eiseskälte zurückgeschnitten, sondern jede Rebe darf selbst über Ertrag und Qualität entscheiden. Und das Ergebnis kann sich sehen und schmecken lassen: hocharomatische Trauben voller Frucht, Fülle und Eleganz, aus denen ganz natürlich besondere Weine gemacht werden.

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Auch das ist eine Erkenntnis der „Prowein“ 2017, der wichtigsten internationalen Weinmesse: Der Trend geht zurück zum Ursprung, naturbelassene Weine, gern auch aus der Region, kommen bei den Genießern einfach gut an. Wie die edlen Tropfen von Tina Pfaffmann. Die bekennende Weißweinliebhaberin stellt sich jedes Jahr aufs Neue der Herausforderung, die Natur zu verstehen und ihr mit Respekt zu begegnen. Die Qualität und die Eigenheiten werden liebevoll im Keller erhalten und ausgebaut. Charakterstark und leichtfüßig sind ihre Weine, die so schöne Namen wie „Schick und Schön“, „Herzglück“ oder „Naturschön“ tragen.

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Vegane Weine sind zudem im Kommen. Wer sich fragt, was tierische Produkte im Wein zu suchen haben, der muss etwas tiefer eintauchen in die Materie des Weinmachens. Tierische Eiweiße oder Gelatine werden beispielsweise bei der Klärung und Filtration der Weine eingesetzt. Trübstoffe können gebunden und Fehltönen wie beispielsweise Essigstich behandelt werden. Eine Eiklarschönung kann im Rotwein den Gerbstoffgehalt reduzieren und den Wein damit etwas milder machen.

Aber es geht auch ohne tierische Produkte und nicht zu Lasten der Qualität. Nicht umsonst steigen immer mehr Top-Winzer auf den veganen Weinstil um. Die Produktion dauert vielleicht etwas länger, führt im Ergebnis aber zu einem individuelleren Wein, den man unbeschwert genießen kann.

Und wer meint, junge Männer interessieren sich eher für Craft Beer, der hat die junge Truppe von Weissbrand Distilling noch nicht kennen gelernt. „Birds“ ist eine weinbasierte Craft Spirituose aus Riesling und 12 handverlesenen Zutaten von fünf Kontinenten, die in kleinen Chargen von 700 Flaschen handgefertigt wird. Die vier kreativen „Vögel“ Lupo, Luki, Basti und Julian haben sich übrigens während des Studiums in Hamburg kennen gelernt. Aus dem feuchtfröhlichen Hobby wurde schon bald eine ernstzunehmende Idee. Seit 2015/16 ist zudem Manuel Brixius mit an Bord, der sich durch seine ausbalancierten Rieslinge einen Namen gemacht hat und vor einem Jahr in 7. Generation das kleine Weingut seiner Eltern an der Mittelmosel übernahm. Unter dem Label „Birds“ sind seine Weine zu haben: natürlich Riesling.

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Es tut sich also so einiges in der deutschen Weinszene und es lohnt sich, sich auch mal auf ein Abenteuer einzulassen. Letztlich entscheidet der eigene Geschmack darüber, was in einer lauen Sommernacht ins Glas kommt.

 

Text: Eike Birck | Fotos: Tina Pfaffmann, Weingut Lorenz, Weissbrand Distilling GmbH

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