Avanti!

Ab auf die Piste(n)

„Komm doch mal wieder mit auf die Piste!“ Als mich meine Freundin vor einigen Wochen ansprach, dachte ich eher an einen ausgelassenen Abend als an einen winterlichen Kurztrip nach Italien. Lang ist es her, dass ich mich auf die Skier gestellt habe, aber reizvoll war der Gedanke schon. Obwohl mich die Vorstellung von überlaufenen Orten, Pisten, aufdringlichem Aprés Ski oder überladenen Luxus zunächst ein wenig zögern ließen. Ziel für das kommende Wochenende sollte das Porta Vescovo Dolomiti Resort oberhalb der Talstation von Arabba in der nördlichen Region Veneto sein.

Ein wenig Recherche auf der Homepage des Skigebietes, das sich entlang der Sellaronda im UNESCO Weltnaturerbe der Dolomiten erstreckt, hat mich dann doch überzeugt. Geworben wird mit elf Pisten und sieben modernen Liftanlagen, die 20 Kilometer Abfahrtspaß für Anfänger, Fortgeschrittene und Profi-Skifahrer bieten sollen. Die Pisten sowie die dazugehörigen Liftanlagen und Skihütten sind seit 1969 im Besitz der Familie Gorza, einer Unternehmerfamilie aus Veneto, und auch das gastronomische Angebot des Porta Vescovo Dolomiti Resorts liest sich vielversprechend. Ab dem Münchner Hauptbahnhof macht sich unsere kleine Gruppe gegen Mittag dann mit dem Zug gemütlich auf die Fahrt nach Brixen. Bunter könnte die Mischung unserer Truppe nicht sein, denn von Profis, der Gelegenheitsfahrerin, einem Snowboarder oder mir als Wiedereinsteigerin ist wirklich alles vertreten. Also beste Voraussetzungen, das Skigebiet einmal zu testen. Nach gut 3,5 Stunden Fahrtzeit erreichen wir Bressannone/Brixen. Kaum ausgestiegen, steht auch schon unser gebuchter Shuttle zum Hotel bereit. Schnell alles verstaut und los geht es über Serpentinenstraßen weiter in Richtung Arraba zu unserem gewählten Domizil. Die Landschaft präsentiert sich immer winterlicher, das Wetter meint es besonders gut mit uns und lässt die imposanter werdenden Bergformationen im besten Licht erstrahlen. Besser könnte die Einstimmung auf den ersten Tag im Skigebiet nicht sein. Zum frühen Abend erreichen wir dann unsere Unterkunft  für die kommenden Tage, das Hotel Evaldo in der kleinen Ortschaft Arraba. Sehr heimelig und gemütlich, so unser erster Eindruck nach dem freundlichen und zügigen Check-in. Die geräumigen Zimmer mit ihrem rustikalen Interieur und der Blick auf die verschneite Umgebung stimmen schon mal auf den Relaxmodus ein. Kurz auspacken und frisch gemacht für den Abend, treffen wir uns für den ersten gemeinsamen Drink an der Hotelbar, dazu gereicht werden liebevoll gezauberte lokale Köstlichkeiten, die den Rahmen kleiner Appetithappen sprengen. Kurz sind wir in Versuchung, unsere Abendpläne umzugestalten, aber für heute haben wir uns ein spezielles gastronomisches Angebot in Arraba ausgesucht, dass tagsüber übrigens auch ganz hervorragend von den Pisten des Porta Vescovo Dolomiti Resorts zu erreichen ist – die Berghütte Rifugio Burz. Außen präsentiert sich die Burz-Hütte wie eine etwas größere Almhütte mit typischer alpenländischer Holzarchitektur, aber der Aha-Effekt kommt beim Eintreten: Die Innenräume sind sehr modern gestaltet und bilden einen attraktiven Kontrastpunkt zum traditionellen Äußeren. Mittags genießen Gäste nicht nur dieses Ambiente, sondern vor allem die Küche: Serviert werden typische lokale Gerichte mit Pfiff, die Kulisse bildet das Dolomiten-Traumpanorama. Abends öffnet die Hütte allerdings nur für Gruppen und auf Vormerkung, wie in unserem Fall. Wir erreichen die Berghütte, heute mal mit einem etwas ungewöhnlichen Shuttle – einer „Schneekatze“, die sonst für die perfekt präparierten Pisten im Einsatz ist. So wird man natürlich nicht alle Tage zum Dinner chauffiert. Sehr einladend und romantisch empfängt das Rifugio Burz und ein knisterndes Kaminfeuer bezaubert. Uns erwartet ein 3-Gänge Menü mit Kreationen wie Hirsch- und Wildschweinschinken aus der Region, Spinat-Schlutzkrapfen mit Ricotta und geschmelzter Butter oder einem Schweinefilet mit Speck und Artischocken. Den Abschluss bildet eine Mousse mit frischen Beeren. So gut gesättigt spazieren wir nach der kurzen Talfahrt nun bei klarem Sternenhimmel und kalter Winterluft durch das kleine verschlafene Dörfchen Arraba, das sich als zauberhaftes Winterwunderland präsentiert. Beste Voraussetzungen für angenehme Träume. Ein kurzes, leichtes Frühstück in gemütlichem Ambiente am nächsten Morgen und auf geht es zu den Pisten. Zuerst einmal werden wir sehr kompetent im Skiverleih für unsere Skitage ausgestattet. Ideal für alle diejenigen, die für einen Kurztrip die eigene Ausrüstung lieber daheim lassen möchten, dennoch für die jeweiligen Bedürfnisse ausgerüstet sein wollen. Fertig eingekleidet trennen sich für den Vormittag unsere Wege. Mit Guide, Skilehrer oder alleine macht sich nun jeder für seine Ansprüche auf in das Ski- bzw. Snowboardvergnügen. Während es die anderen gleich mit den Liftanlagen und Gondeln hoch hinaus zieht, starte ich erst einmal ganz zurückhaltend weiter unter. Mein erfahrener Skilehrer gibt mir schnell das Gefühl, wieder sicher auf den Brettern zu stehen und das Panorama macht einfach Lust auf höhere Abfahrten. Die große Auswahl an Schwierigkeitsgraden ist da ein großer Vorteil, um den ersten Vormittag schon mal bestens zu nutzen.

Italy - Veneto

Der Lounge-Bereich im Freien öffnet den Blick auf den Sella-Stock und auf den Gletscher der Marmolada.

Am Mittag treffen wir uns dann alle auf der Bergstation von Porta Vescovo. Nur wenige Schritte von der Station entfernt steht die Berghütte Luigi Gorza entlang der alten „Via del Pane“ – dem „Brotweg“, auf dem einst das Getreide zwischen dem Eisacktal und dem Agordino-Tal transportiert wurde. Von hier aus hat man tagsüber von dem Lounge-Bereich auf der Amphitheater-Terrasse freien Blick auf den Sellastock und den Dolomitengletscher Marmolada. Die Küche des Self-Service Restaurants verwendet ausschließlich saisonale Produkte und die Gerichte werden in kleinen Portionen immer wieder frisch zubereitet. Hier gibt es typisch italienische Küche, nach venezianischer Tradition zubereitet wie Rehgulasch mit Kakaogeschmack, Tintenfische mit Erbsen und hausgemachte Tagliatelle Bolognese. Wer nur eine kurze Ski-Pause einlegen möchte, findet an der Grand Bar leckere Kleinigkeiten wie Sandwiches, hausgemachte Pizza und Foccacce.

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Angeschlossen an das Rifugio Luigi Gorza befindet sich das „Viel dal Pan“ – es ist auf 2.500 Metern das höchstgelegene Gourmetrestaurant der Sellaronda. In gemütlicher Atmosphäre und bei einer spektakulären Aussicht bringt Chefkoch Ivan Matarese sein außergewöhnliches Können im Zusammenspiel von Geschmack, Duft und Farbe der Gerichte zum Ausdruck und verleiht traditionellen Rezepten dabei seine ganz persönliche Note. So entstehen raffinierte Kreationen wie ein Hirschtatar mit gerösteten Haselnüssen, körnigem Senf und Sorbet von grünen Äpfeln, ein Graupenrisotto mit Butter, 36 Monate altem Parmesan, Wintertrüffeln und Bergsesam oder Desserts wie eine Cappuccino-Mousse mit Milchschokolade, Humus und Lakritze. Begleitend dazu können Gäste aus einem großen Sortiment an erlesenen italienischen Weinen und Schaumweinen wählen. Positiv überrascht haben uns die doch noch auf dem Boden geblieben Preise unseres Gourmet-Stopps heute Mittag. So etwas gönnt man sich nicht jeden Skitag, aber wir wollten uns diese Erfahrung nicht entgehen lassen. Kurz noch die spektakuläre Kulisse der Berge genießen und dann heißt es wieder ab auf die Piste, dieses traumhafte Wetter auskosten und genießen. Nach so viel Aktivität am Tag lassen wir diesen heute gemütlich ausklingen, schließlich geht es schon morgen wieder früh raus und unsere Programmliste ist noch lang. Für den nächsten Tag steht neben Abfahrten auch noch eine geführte Schneeschuhwanderung auf unserem Programm. Wenn man schon einmal in so wundervoller Landschaft ist, warum nicht auf allen Wegen genießen.

Italy - Veneto

Die Cesa da Fuoch, an der Mittelstation der Seilbahn gelegen, ist auch mit dem Sessellift Sas della Vega erreichbar. Von hier kann man die Dolomiten aus nächster Nähe bewundern.

Heute ist es zwar etwas bedeckter, aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Für den Mittag kehren wir heute in der Cesa da Fuoch ein. Nur wenige Schritte von der Mittelstation der Gondelbahn entfernt werden in diesem Pistenrestaurant alle Gerichte frisch á la minute in einer offenen Küche zubereitet. Große Kamine und zwei Sonnenterrassen laden zum Verweilen ein und besonders zum Aperitif ist ein Besuch hier auch lohnenswert. So kommen wir wieder zügig zu den letzten Abfahrten bevor es leider heißt, packen und auf zum Zug nach Brixen Richtung Heimat. Unser Fazit: Ein Skiresort, das auch ohne glamouröses Rahmenprogramm punktet und sicher nicht nur zur Wintersaison eine Reise wert ist.

Mehr zum Viel dal Pan lesen Sie auch in unserem Artikel  “Dem Himmel so nah”

Weitere Informationen zum Porta Vescovo Dolomiti Resort und Arabba Dolomiten Tourismus erhalten Sie hier:

www.dolomitiportavescovo.it
www.arabba.it

 

Text: Manuela Weller | Fotos: Porta Vescovo Dolomiti Resort, Stefano Scata, Arabba Fodom Turismo, Manuela Weller

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