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Zu Gast in Frankreich

Im Sommer sind alle Augen auf Frankreich gerichtet: Am 10. Juni wird die EM in Paris angepfiffen. Bis zum 10. Juli rollt das runde Leder in 10 Stadien in ganz Frankreich. Für 24 Mannschaften geht’s ums Ganze – nämlich um den Pokal und die Ehre. Aber mal ganz ehrlich: Bei diesem starken Teilnehmerfeld haben die Teams eigentlich nichts zu verlieren. Abseits des grünen Rasens hat Frankreich natürlich noch allerlei mehr zu bieten: feinste Küche, raffinierte Mode und die nötige Lässigkeit in allen Lebenslagen. Stil, Charme und Eleganz – das ist das Land der Revolutionäre, die seinerzeit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit erstritten.

Ein Stück französischer Lebensart – das savoire vivre – ist bereits fest in unserem täglichen Sprachgebrauch verankert. Und das vielleicht mehr als wir meinen. So essen wir selbstverständlich à la carte, haben als festen Termin einen jour fixe, erfreuen uns an schönen Accessoires, die nicht zu sehr ins Portemonnaie gehen, und naschen bei einer Vernissage gern ein paar Hors d’oeuvres, während wir die Haute Couture der Hautevolee betrachten. Jetzt müssen wir nur noch an unserer Gelassenheit arbeiten – vielleicht bei einem Urlaub im wunderschönen Fronkreisch.

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Paris — die Metropole Frankreichs

Wir stellen einige der EM-Austragungsorte etwas näher vor und sagen, warum es sich lohnt, sich hier mehr als „nur“ Fußballspiele anzuschauen. Da wäre an erster Stelle Paris, wo auch das Eröffnungsspiel des Gastgeberlandes gegen Rumänien stattfindet. Die pulsierende Metropole mit ihren 2,2 Millionen Einwohnern ist der Touristenmagnet schlechthin und bedarf keiner tiefschürfenderen Erklärung. Sofort hat man den Eiffelturm vor Augen, denkt an den Louvre, Notre Dame und die Prachtstraße Champs-Élysées: ein Eldorado für Shopping-Fans und Gourmets.

Und auch Nizza hat exquisite Restaurants zu bieten. Die idyllische Hafenstadt zwischen Cannes und Monaco an der legendären Côte d’Azur ist auch für die Franzosen bevorzugte Urlaubsregion.

In Saint-Etienne finden insgesamt vier EM-Spiele statt. Ganz in der Nähe befindet sich das weltberühmte Firminy: Hier hat der Begründer der modernen Architektur, Le Corbusier, seinen sehenswerten Komplex aus der Kirche Saint Pierre, dem Stadion, dem Jugendund Kulturzentrum (heute Espace Le Corbusier ) und einer Wohneinheit (Unité d’Habitation) errichtet – dies ist übrigens seine einzige Städteplanung, die in Europa zu sehen ist.

Der Spielort Lens erlangte bei der Fußball-WM 1998 traurige Berühmtheit, als der Polizist Daniel Nivel von Hooligans fast totgeprügelt wurde. Seither kämpft die ehemalige Bergbau-Stadt im nördlichen Département Pas-de-Calais gegen ihr schlechtes Image an. Und das mit Erfolg. So eröffnete der Pariser Louvre in der 33.000 Einwohner-Stadt eine Zweigstelle.

Von Lens aus bieten sich Ausflüge ins bezaubernde Arras oder nach Lille, einer weiteren EM-Spielstätte, an. Von dort ist es nicht weit nach Villeneuved’Ascq – in schöner Natur kann man hier in Parks oder an Seen wunderbar entspannen. Das Freilichtmuseum entführt in vergangene Zeit und zeigt die traditionelle Lebensweise mit Werkstätten, Scheunen und den einzigartigen strohgedeckten Häusern.

Eine gute Flugstunde von Lille entfernt liegt das wunderschöne Bordeaux mit seinen sprichwörtlichen Weinen. Die bezaubernde Altstadt lädt zum ausgedehnten Flanieren ein. Sie ist seit 2007 UNESCO-Welterbe. „La Perle d’Aquitaine“, wie Bordeaux auch genannt wird, ist mit über 240.000 Einwohnern die neuntgrößte Stadt Frankreichs. Milde Winter und lange Sommer zeichnen die Region aus. Exzellentes Klima für Spitzenweine. Und die zweitgrößte Weinregion der Welt mit jährlich 800 Millionen Flaschen hat das nötige „savoir faire“ – gewusst wie. Weinliebhaber aus aller Welt sind begeistert von den zahlreichen Weinkellern der Stadt und die fachkundigen Verkostungen sind ein echtes Erlebnis. Und Bordeaux hat noch so vieles mehr zu bieten. Wer die Stadt zu Fuß kennenlernen möchte, startet an den Docks. Das ist DER Treffpunkt für Spaziergänger, Fahrradfahrer, Skateboarder und Inlineskater – der perfekte Ort für ein Picknick. Im Juni findet mit dem épicuriales ein tolles Gourmet-Festival statt und beim Straßenfestival „La fête de la musique” am 21. Juni ist garantiert die komplette Stadt auf den Beinen. Und wer‘s aktiv mag, schwingt sich für Erkundungstouren auf‘s Rad. Die Stadt bietet hunderte Kilometer Fahrradstrecken um und durch Bordeaux an. Und am „Quai des marques“, dem Hafen der Marken, geht für Shopping-Liebhaber kein Weg vorbei.

1. Das malerische Marseille an der legendären Côte d’Azur mit dem beliebten Ausflugsziel Calanques. 2.+3.+5. Paris – pulsierende Metropole mit beeindruckenden Gebäuden und idyllischen Rückzugsmöglichkeiten. Kulturelles Zentrum mit ungezählten Museen und zum Teil abgefahrener Kunst.
4. Bordeaux wartet mit einer bezaubernden Altstadt auf und Flaniermeilen locken mit hochkarätigen Restaurants. Dazu – wie kann es anders sein – ein Glas Bordeaux. 6.+8. Die idyllische Lage am Zusammenfluss von Rhône und Saône gibt Lyon das gewisse Flair. Die Abendstimmung am Place Bellecour et Fourvière ist besonders romantisch 7. Toulouse ist eine der beliebtesten Städte Frankreichs: heitere Stimmung, schöne Gebäude, gutes Essen – was will man mehr.

info-iconTrauben für die Haut. Rund 15 Minuten Autofahrt sind es von Bordeaux bis zum Spa Caudalíe Vinotherapie, in dem es Behandlungen mit Wein- und Traubenessenzen gibt. Durch das Wasser der hauseigenen Thermalquelle sollen die Anwendungen besonders gut wirken: Caudalíe-Massage: 50 Min. 85 Euro; Rotwein-Bad: 15 Min. 51 Euro.
www.sources-caudalie.com 

Rund 550 Kilometer westlich von Bordeaux liegt Lyon – eine wahre Hochburg für Gourmets. Die engen Gassen der Altstadt – mit Europas größtem Renaissance-Viertel und der sagenumwobenen Primatiale Saint-Jean-Baptiste, ein Juwel gotischer Baukunst –, die innovative Seidenmaler- und Kulturszene und natürlich die hochkarätigen Restaurants machen Lyon zu einer lohnenden Destination. Ein absolutes Sightseeing-Muss ist der Palais de Justice am Place Paul Duquaire. Danach kann‘s weitergehen. Zum Beispiel zum Viertel um den Place Bellecour. Einst der größte Platz Europas, der diesen Rekord im Jahre 1755 an den Place de la Concorde in Paris verlor, ist er heute das Zentrum der farbenprächtigen Stadt Lyon. Und gleich nebenan befinden sich die Straßen des Carré d’Or, Heimat zahlreicher Luxusboutiquen. Der Anstieg Montée de la Grande-Côte ist zwar nicht ganz ohne, aber es lohnt sich. Von oben hat man einen traumhaften Blick auf die goldenen Dächer der Altstadt. Und zu einer Reise nach Lyon gehört selbstverständlich ein Besuch der traditionellen Lokale, den „Bouchons“, deren Ursprünge ins 19. Jahrhundert reichen. Gekocht wird heute nach traditionsreichen Familienrezepten. Wer es exquisiter mag, stattet Starkoch Paul Bocuse, dem der Guide Michelin drei Sterne verlieh, einen Besuch in seinem Restaurant in Collonges ab.

info-iconHaben Sie nach all den Besichtigungen Lust auf kulinarischen Genuss in Lyon? Das Restaurant de Fourvière (9, Place de Fourviere) bietet nicht nur ausgezeichnete Küche, sondern von der Terrasse einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt. 

Nach nur etwa einer dreistündigen Autofahrt ist man am Meer: in Marseille. Die Hafenstadt ist rau und charmant zugleich; 2013 war sie Kulturhauptstadt und wurde entsprechend aufpoliert. Neue Museen und Kulturzentren entstanden. Gigantisch ist das Musée des civilisations de l’Europe et de la Mediterranée im Hafen der Metropole. Der Alte Hafen ist für Einheimische und Urlauber zugleich der zentrale Treffpunkt zum Flanieren. Zahlreiche Restaurants und Cafés gibt es hier mit Blick auf das emsige Treiben auf den Kais. Das „Theatre de la Crièe“ sowie mehrere Museen, Galerien und Konzertsäle in unmittelbarer Nähe des Hafens sorgen für Abwechslung. Eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten ist die Aussichtsplattform in Nachbarschaft zur Basilika Notre-Dame de la Garde mit ihrer zehn Meter hohen goldenen Statue auf der Spitze. Von dort aus hat man einen Überblick über die Stadt und den Hafen. Atemberaubend schön ist jedoch eher die Umgebung der Provence-Hauptstadt mit ihrer malerischen Badebuchten. Außerdem laden die Calanques zum Klettern und Wandern ein. Mit herrlichem Blick auf das Mittelmeer können sich hier Anfänger und Profis in der Kalkstein-Felslandschaft an der südfranzösischen Küste versuchen. Zahlreiche Wege durch die Gebirgslandschaft ermöglichen zudem entspanntes Wandern.

Marseille — pulsierende Hafenstadt am Mittelmeer

Marseille — pulsierende Hafenstadt am Mittelmeer

info-iconWer sich mit dem Boot auf die vor Marseille gelegenen Zwillingsinseln Pomègues und Ratonneau bringen lässt, kann dort die erste zertifizierte Bio-Fischzucht des Mittelmeers besichtigen. Naturführer bieten hier auch Wanderungen an. 

Entweder 400 Kilometer auf der Autobahn oder 1 Stunde mit dem Flugzeug: Die Hauptstadt der Region Midi-Pyrenäen ist nicht nur wegen ihrer Nähe zu Spanien eine Reise wert. Toulouse gehört wegen der hohen Lebensqualität zu den beliebtesten Städten des Landes. Es ist die Stadt mit dem besonderen Flair, die eine ansteckend heitere Stimmung versprüht. Wo kann man schon erst entspannt am Canal du Midi entlang schlendern, um im nächsten Moment abzuheben – und zwar im Weltraum-Museum Cité de l’Espace. Und wenn die Besucher in einer lauen Sommernacht ein feiner Veilchenduft umgibt, so ist das nicht verwunderlich. Diese hübsche Blume ist das Wahrzeichen dieser romantischen Stadt und wird seit über 150 Jahren in Toulouse gezüchtet und in kandierter Form auch vernascht. Auch an Bauwerken gibt es allerlei zu sehen: wie z.B. das gewaltige Ensemble des Jakobinerklosters und die Kathedrale Saint-Etienne, ein unklassifizierbares Bauwerk, das zig unterschiedliche Stile vereint. Auch das Hôtel d‘Assézat und die Bomberg-Stiftung sind mehr als nur einen flüchtigen Blick wert.


Buchtipps

Buchtipps

Le Fettnapf – Wie ich lernte, mich in Frankreich nicht zum Horst zu machen
Tanja Kuchenbecker, Rowohlt Taschenbuch Verlag

Gebrauchsanweisung für Frankreich
Johannes Willms,
Piper Verlag

111 Gründe, die Nationalmannschaft zu lieben
Eine Liebeserklärung an die großartigste Elf der Welt
Lars M. Vollmering, Schwarzkopf + Schwarzkopf


1.+4.+5. Egal ob Tag oder Nacht – das milde Klima in Bordeaux ist Balsam für Mensch und Natur. Eine relaxte Stadt zum Entspannen und Staunen.  2. 15 Minuten Autofahrt von Bordeaux entfernt bietet das Spa Caudalie wohltuende Vinotherapien an. Trauben für die Haut.  3. Toulouse ist ein Eldorado für Gourmets und für Kunstliebhaber, zum Beispiel im Musée des Augustins. 6. In Marseille ist der alte Hafen DER Treffpunkt – die Stadt ist rau und charmant zugleich.  7.  Auch in der quirligen französischen Hauptstadt stellt sich echtes Pariser Beach Feeling ein.  8.  Allein das Lichterfest – La Fête des Lumières – ist eine Reise nach Lyon wert. 

Text: Eike Birck | Fotos: Toulouse Tourisme, Paris Tourist Office/Sarah Sergent, OTCM, Paris Tourist Office /Jacques Lebar, Paris Tourist Office/Amélie Dupont, Bordeaux Tourisme/Vincent Bengold, David Mallett – Paris, Marie Perrin/Lyon Tourisme et Congrès, Toulouse Tourisme, Philipper Bastie/Lyon Tourisme et Congrès, Bordeaux Tourisme/Gilles Arroyo, XBejot, Toulouse Tourisme, Bordeaux Tourisme/Vincent Bengold, Gde Laubier, Paris Tourist Office/Marc Bertrand, Marie Perrin/Lyon Tourisme et Congrès

Text: Eike Birck | Fotos: Toulouse Tourisme, Paris Tourist Office, Bordeaux Tourism, Lyon Tourisme et Congrès, David Mallett, Le Source De Caudalie

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