Jan Kath

Bodendecker aus Bochum

Er würde gern einmal mit Karl Lagerfeld zusammenarbeiten. „Das wäre mir eine große Ehre“, sagt Jan Kath bescheiden. Dabei wäre es nicht das erste Mal, dass der 43-Jährige eine Brücke zur Modewelt schlägt. Die wichtigsten französischen Modemarken setzen bereits auf Teppiche des Bochumers, der das Image des Orientteppichs kräftig revolutioniert hat. Das hat dem Designer aus dem Ruhrpott bereits zahlreiche Auszeichnungen eingebracht. Vom Red Dot bis hin zum Carpet Design Award.

Jan Kath kreiert Teppiche losgelöst von traditionellen Bildern im Kopf, aber auf Grundlage gewachsener Handwerkskunst. Inspiriert von seinen Reisen zwischen den Welten und im Spannungsfeld zeitgenössischer Kunst. Emotional, stilprägend und unkonventionell haucht der Autodidakt dem verstaubten und spießigen Image des Teppichs seit mehr als zwanzig Jahren neues Leben ein. Die kommen seitdem hipp und revolutionär daher. Mit einer minimalistischen Interpretation alter Muster und der unverwechselbaren Handschrift des Designers. Fernab vom Mief, der den Bodendeckern noch in den 1980er und 1990er Jahren anhaftete. Und so zählen neben dem Fürstenhaus von Monaco auch Bill Clinton oder Anthony Kiedis, der Sänger der Red Hot Chili Peppers, zu Kaths prominenten Kunden. Selbst ins Museum hat es seine Kreationen katapultiert. Vom Museum für angewandte Kunst in Frankfurt am Main über das Beijing International Design Triennial bis zum Victoria & Albert Museum in London wurde Jan Kaths Teppichkunst gezeigt.

Showroom in Köln

Showroom in Köln

Teppiche sind zum Leben da

Dabei hatte der Bochumer anfangs gar nicht vor in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Jan Kath, der in dritter Generation aus einer Teppichhändler-Familie stammt, machte sich nach Abitur und kaufmännischer Ausbildung erst einmal als Backpacker gen Asien auf den Weg. Zwanzig Jahre jung. Auf der Suche nach dem eigenen Weg. Irgendwann landete er im nepalesischen Kathmandu, traf dort durch Zufall auf einen ehemaligen Freund der Familie, der ihn zunächst als Qualitätskontrolleur in der Teppichproduktion einstellte und ihm später die Übernahme der Produktion anbot. Der Startschuss für die Erfolgsgeschichte des Bochumers, der als Kind auf den Teppichstapeln im Lager seines Vaters Trampolin sprang und heute feststellt: „Mit einem Teppich kann man cool und lässig wohnen. In cleanen, durchgestylten Wohnungen mit kühlen Betonböden fühlt sich niemand wohl. Erst mit Teppichen entstehen Wohninseln, die im besten Sinn die Familie zusammenhalten, weil auf ihnen das Leben stattfindet.“ Ein päpstlicher Umgang mit Teppichen ist Jan Kath fremd. Auf und mit ihnen soll gelebt werden. Entscheidend ist für ihn vielmehr, was ein Teppich im Raum kann und dort bewirkt.

25 Kollektionen mit unterschiedlichen Themen produziert Jan Kath inzwischen. Entworfen im Kreativzentrum Bochum, geknüpft in Manufakturen in Nepal, Thailand, Indien oder Marokko. Trotz aller Technologien werden seine Teppiche wie vor 500 Jahren – ganz „state of the art“ – per Hand geknüpft. „Wenn Technologien zum Einsatz kommen, dann sind es vor allem Computerprogramme, mit denen man die Teppiche animieren kann, bevor es sie gibt“, erklärt der Designer. Dadurch lassen sich Materialzusammensetzungen im Vorfeld ausprobieren. Jeder Knoten ein Pixel. „Fast fotorealistisch haben wir heute die Hoheit über den Knoten“, so Jan Kath. „Das ist eine große Revolution.“

jan-kath_5Abgefahrene Kollektionen

Und so wächst bei ihm mal das Weltall aus dem Boden, erblühen Blüten russischer Trachten oder traditionelle Muster werden durch morbide wirkende Strukturen aufgebrochen. Egal, ob Spacecrafted, From Russia with Love oder Erased Heritage – Jan Kath setzt mit seinen Kollektionen immer wieder neue Maßstäbe. Eröffnet eine völlig neue Sicht auf den Teppich. „From Russia with Love“ habe ich vor acht Jahren entwickelt. Davor bin ich lange mit der Idee schwanger gegangen.“ Erased Heritage, eine Kollektion, die mit alten orientalischen Mustern arbeitet und von einer zweiten Schicht erhaben überlagert ist, ist wiederum seine Hommage an den klassischen Orientteppich. Entstanden in einem und nicht wie man vermuten könnte in zwei Arbeitsschritten. Damit hat er selbst Experten aufs Glatteis geführt. Altes zu reproduzieren entspricht dabei nicht der Kath‘schen Philosophie. Wohl aber Verweise in die Vergangenheit zu legen. Seine Teppiche sind eine Speerspitze der Tradition. Eine, die massiv in traditionelle Sehgewohnheiten eindringt und strenge Gestaltungsregeln durchbricht. Und so wirken die Teppiche aus der Kollektion „Erased Heritage“ durch eine spezielle Verfremdungstechnik wie in Würde gealtert. So, als ob sie viel erlebt und daher unzählige Geschichten erzählen könnten. Sie gleichen Bildern, die auf großen Leinwänden daherkommen. So wie seine neue Kollektion „Artworks“, für die er ein wie mit Pinsel und Farbe erzeugtes Farbspektakel auf den Teppich bringt. Nur, dass die Zutaten Wolle, Seide und Brennnesselfasern sind. In über 1.200 Farben. Bei Jan Kath übrigens allesamt ökologisch getestete reine Natur- oder Spezialfarben.

jan-kath_2Teppiche wachsen langsam

Damit solche Teppiche entstehen, braucht es Zeit. Allein zwischen 100 und 450 Knoten kommen auf 6,45 Quadratzentimeter. Das heißt, dass in einem Teppich von 2,5 x 3 Meter Größe rund drei bis vier Monate Arbeit stecken. Ohne Kompromisse bei der Qualität. Von der Aufbereitung der Rohmaterialien über die Farbstoffe, die eingesetzt werden bis hin zu den Menschen, die nach seinen Vorlagen die Teppiche knüpfen. Soziale und ökologische Standards einzuhalten, ist ein wesentlicher Bestandteil der Firmenphilosophie. „Nur gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne schaffen Perspektiven“, so Jan Kath, der viele Jahre in Nepal und der Mongolei gelebt und gearbeitet hat. Nur mit fairen Löhnen sieht er für Familien Chancen ihr Leben zu bestreiten und Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. „Ich bin früh Vater geworden und konnte mir noch nie vorstellen, dass Kinder für mich arbeiten“, betont der 43-Jährige, dessen ältester Sohn Produktdesign studiert, während sein jüngster zurzeit bei seiner Mutter in der Mongolei lebt. Die Zukunft der Teppichkultur im Blick plant Jan Kath schon die nächsten Schritte. Eine PR-Kampagne, die in Nepal starten soll. Für die Produktion eines Flashmob-Videos steht ein Bollywoodstar in Kathmandu vor der Kamera. Das Video soll als Trailer im Kino und im Fernsehen laufen und auf der Marktseite Verständnis für das „slow making“ eines Teppichs erzeugen und gleichzeitig jungen Menschen zeigen, dass man stolz darauf sein kann, Teppichknüpfer zu sein. Jan Kath will das Charisma der Teppichindustrie so verändern, dass „junge Leute wieder Bock darauf haben“ und sich bewusst für das Handwerk entscheiden, weil es Perspektiven bietet.


Jan Kath Teppiche sind erhältlich bei:

Seemann Interieur
Otto-Brenner-Str. 209
33604 Bielefeld
www.seemann-bielefeld.de

Jan Kath Store Berlin
Brunnenstraße 3
10119 Berlin-Mitte

Jan Kath Store Hamburg
Am Sandtorpark 14
20457 Hamburg-Hafencity

www.jan-kath.de


Teppiche testen

Wer sich einen Teppich kaufen möchte, sollte ihn zuhause erleben. Diese Auffassung vertritt Jan Kath und verweist auf den Service, den Fachhändler anbieten, damit Kunden die Größe und Wirkung eines Teppichs einschätzen können. Eine Alternative ist eine App, die das Bochumer Unternehmen Anfang des Jahres auf den Markt gebracht hat. Damit lassen sich Kaths Teppiche
virtuell zuhause ausbreiten.

jan-kath_4

Spacecrafted, Space 9, 254 x 304 cm

jan-kath_6

Tabriz Canal Aerial, Navyblue-Copperwiresilk 305 x 399 cm

 

Text: Corinna Bokermann | Fotos: Jan Kath

Die Kommentarfunktion ist deaktiviert.