Wird der Golf-Sport schneller?

Ein Interview mit Markus Scheck

Die Golf-Welt ist im Umbruch. Nach 60 Jahren wird nun erstmals umfassend das Regelwerk des Golfsports verändert. Aus 34 übergeordneten Regeln werden 24. Markus Scheck ist akademischer Betriebswirt und passionierter Golfer. Seit 2005 leitet der anerkannte Golf-Experte die Redaktion von Golffachmagazinen, zunächst Golf Week, seit November 2016 Perfect Eagle Golf. Wir haben nachgefragt.

Herr Scheck, war eine umfassende Regeländerung aus Ihrer Sicht überhaupt notwendig?

Das erklärte Ziel der Regelhüter R&A St Andrews und USGA war es, das Spiel schneller und das Regelwerk einfacher zu machen. Die ersten Regeln wurden 1744 von den schottischen Gentlemen Golfers of Leith zu Papier gebracht, damals noch grob umgerechnet eine DIN-A4 Seite lang. Dabei ging es um grundlegende Dinge wie z. B. die Reihenfolge beim Schlagen. Irgendwann kamen dann aber erdgrabende Tiere, bewegliche Hindernisse, Wasserhindernisse in allen Facetten (frontal, seitlich etc.) dazu. Aus 13 kurzen wurden 34 längere Regeln mit Unterpunkten. Dass hier Handlungsbedarf bestand, liegt auf der Hand.

Welche ist aus Ihrer Sicht die entscheidendste Regeländerung?

Die entscheidendste Änderung ist wohl das gesamte Paket. Manche Änderungen machen Sinn, manche weniger und sorgen sogar für mehr Verwirrung. Das „Ready Golf“ ist für den Amateur wohl eine der sinnvolleren Änderungen.

Welche Vorteile bringen die Regeländerungen für die Spieler oder für das Spiel?

Die Vorteile sind, dass manch ungewollte Missgeschicke nicht mehr mit einem Strafschlag geahndet werden, wie z. B. Doppelschlag, versehentliches Bewegen des Balles im Rough, das Entfernen von losen Gegenständen im Bunker etc. Dies ist vor allem für den Amateur eine massive Vereinfachung.

Was sind die Nachteile?

Die Nachteile liegen im Detail, da einige Regeln geändert wurden, die in ihrer Umsetzung wenig Sinn machen. So darf etwa bei einem Penaltydrop der Ball nicht mehr wie bisher aus Schulterhöhe fallen gelassen werden. Dies muss seit diesem Jahr aus Kniehöhe passieren. Sieht nicht nur eigenartig aus, sondern hat bereits einigen Spielern auf der PGA-Tour Strafschläge eingebracht, weil sie einfach ihrer Gewohnheit nachgingen. Und schneller wird das Spiel durch das Kniedroppen sicher auch nicht.

Wenn das Spiel in Teilen schneller wird, ist es dadurch für mehr Menschen attraktiver?

Wir leben zweifelsohne in einer immer schnelllebigeren Zeit, wo Menschen von einem Termin und Entertainmentkick zum anderen hetzen. Da passt der langsame, gemütliche Golf-Spaziergang über vier bis fünf Stunden natürlich nicht mehr so recht ins Konzept. Dabei macht gerade das meiner Ansicht nach den Reiz des Golfsports auch aus. Einfach mal vier Stunden Mobiltelefon auf lautlos, die Natur genießen und eine entspannte Runde Golf mit Freunden spielen. Die Realität sieht aber für viele anders aus. Also müssen neue Konzepte wie 9-Loch-After-Work-Turniere oder Kurzplätze her, die auch dem gestressten Manager die Möglichkeit geben dem Sport nachzugehen. Ob Schnelligkeit alleine die Attraktivität des Golfsports erhöht, bezweifle ich. Er benötigt vielmehr ein trendiges, cooles Image, das ihn auch für junge Menschen „en vogue“ macht. Solange das Durchschnittsalter der Golfer bei 50+ liegt und Events sich nach den Bedürfnissen dieser Zielgruppe richten, wird es schwierig werden, neue Leute für Golf zu gewinnen.

Die neuen Regeln betreffen Profis wie auch Amateure. Ist das sinnvoll?

Ja, grundsätzlich ist es sinnvoll, dass Amateure und Profis nach denselben Regeln spielen, denn es gelten ja auch in anderen Sportarten wie Tennis oder Fußball dieselben Richtlinien für alle. Würden die Regeln auseinanderdriften, gäbe es keine Vergleichbarkeit mehr. Im Detail gäbe es aber durchaus Diskussionsbedarf, ob in der Umsetzung manch Erleichterung für den Amateur auch auf Profiebene unbedingt passieren muss. Ich denke da zum Beispiel an die neue Regel, dass die Fahne beim Putten auf dem Grün im Loch bleiben darf. Das Ziel der Regeländerung war die Beschleunigung des Spiels für den Amateur, dass dieser nicht aus 15 Metern noch über das Grün laufen muss, um die Fahne zu ziehen und dann erst recht das Loch nicht sieht. Profis haben für diese Dinge aber ihren Caddie dabei. Mit der neuen Regeländerung erhoffen sich aber manche Profis einen höheren Prozentsatz an gelochten Putts, da die Fahne einen schnellen Putt stoppen kann und so sieht man bisweilen sogar für den Ein-Meter-Putt die Fahne im Loch, was der ursprünglichen Intention natürlich komplett widerspricht.

Gibt es nun – einige Wochen nach der Einführung der Regeln – schon Erkenntnisse, ob das Spiel tatsächlich wie gewünscht schneller und zeitgemäßer wird?

Auf Amateurebene lassen sich noch schwer Rückschlüsse ziehen, da die Saison erst vor der Türe steht. Die Frage ist auch, inwieweit sich das neue Regelwerk schon herumgesprochen hat. Auf Profiebene sorgten die neuen Regeln mehr für Verwirrung. Schneller und zeitgemäßer wurde der Sport meiner Meinung nach dadurch nicht.

Wird es durch die Regeländerung wirklich eine weltweite Vereinheitlichung des Handicap-Systems der USGA und der R&A geben?

Die Regeländerungen wurden mit 1. Januar 2019 in Kraft gesetzt. Das einheitliche Handicap-System mit dem Namen „World-Handicap System“ (WHS) soll 2020 folgen. Ziel dieses Vorhabens ist es, die derzeit sechs bestehenden Handicap-Systeme – von Australien bis Europa – zu einem gemeinsamen Code zusammenzufassen, was auf jeden Fall Sinn machen würde. Die genaue Umsetzung ist aber noch nicht definiert und wird gerade auf Verbandsebene eifrig diskutiert.

Gibt es eine Regeländerung, die Sie sich noch gewünscht hätten?

Es gibt nach wie vor keinen Free Drop, wenn der Ball am Fairway in einem Divot landet. Das ist absolut unverständlich und unfair und es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, das im Zuge der Regeländerungen zu adressieren. Eine bedeutende Änderung ist auch die Umwandlung des Out of Bounds in eine „Penalty Area“, sprich weiterhin ein Strafschlag, aber kein Distanzverlust, weil man an der Stelle des Eintritts ins Hindernis droppen darf. Dies wurde zwar nun genau in diesem Sinne geändert, bedarf jedoch einer „Local Rule“ im Golfclub. Wenn man es schon richtigerweise ändert, warum nicht flächendeckend?

Werden die Golfspieler durch die Regeländerungen jetzt besser? 😉

Der Golfspieler wird durch die Regeländerungen kein Besserer, aber vielleicht erspart er sich den einen oder anderen Strafschlag, der in der Vergangenheit geahndet wurde.

Golfen lässt sich ja wunderbar mit anderen Annehmlichkeiten des Lebens kombinieren, in Miami z. B. mit einer spannenden Kunstszene. Welche Kombi können Sie empfehlen?

Nachdem es so ziemlich überall auf der Welt, in beinahe jedem Land der Erde, Golfplätze gibt, lässt sich die Ausübung des Sports natürlich perfekt mit anderen Annehmlichkeiten des Lebens kombinieren. Ich persönlich mag die Kombination aus Golf mit guter Gastronomie, Wellness, Beachlife und natürlich auch Städtetrips.

Interview: Eike Birck | Fotos: Aidan Bradley/PGA Catalunya Resort, Markus Scheck

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