Die Marmeladen Fee

Zunächst wollte sie ‚nur‘ ihrer Tochter süße Aufstriche und Marmeladen schmackhaft machen. Eine Mission, die glückte und unbeabsichtigt weite Kreise zog. Inzwischen kreiert Véronique Witzigmann neben einer Vielzahl ausgefallener süßer Aufstriche auch pikante Chutneys. Und der Kreis ihrer glücklichen Abnehmer ist gewachsen. Abgefahren sprach mit der 42-Jährigen, die Lust auf Genuss weckt.

Ihre Tochter Marietta hat Sie dazu gebracht in punkto Marmeladen kreativ zu werden und Obst mit dem Pürierstab zu Leibe zu rücken. Sind „Stückchen in der Marmelade“ für Ihre Tochter auch heute noch ein Tabu?
Lustigerweise ja und ich denk sie bleibt dabei. Die Menschen, die heute meine Aufstriche essen, mögen diese unter anderem auch genau aus diesem Grund…weil sie fein samtig in der Konsistenz sind. Deshalb ist der Zauberstab einer der wichtigsten Geräte in meiner Küche.

Was ist Ihre Lieblingsmarmelade?
Das hängt immer etwas von der Jahreszeit ab. Momentan arbeite ich an ein paar Rezepten mit Himbeeren. Im Sommer mag ich sehr gern weißen Pfirsich, Marillen und zum Herbst /Winter hin Zwetschgen und Orangen.

Wie sieht Ihr kulinarischer Start in den Tag aus?
Der beginnt immer mit einem gutem Stück Brot als Unterlage. Im Kühlschrank stehen meist diverse Mustergläser zur Verkostung. Dazu ein Cappuccino. Also eigentlich recht simpel.

Sind Sie eine Süße?
Ja, klar! Schon als Kind hab ich gern Kuchen und Plätzchen gebacken. Und heut genieße ich es beim Stadtbummel in die zahlreichen schön gestalteten Schokoladenläden zu gucken und immer wieder neue Rezepte auszuprobieren.

Von wem haben Sie die Leidenschaft für Marmeladen, Chutneys und Pestos?
Ich glaube das Gen für gute Produkte und die Leidenschaft diese bestmöglich zu verarbeiten, hab ich von meinem Vater geschenkt bekommen. Jedoch gibt es keine Person in meiner Familie, die ich bezüglich Marmeladen als Vorbild hatte. Durch meine Tochter begann die Idee ja komplett ohne „Hintergedanken“. Und es machte mir unglaublich viel Freude mich damit zu beschäftigen. Der Weg von den süßen Aufstrichen und Marmeladen bis hin zu den pikanten Chutney´s, die auch Gewürzmarmeladen genannt werden, ist dann nicht mehr sehr weit.

Wie entstehen neue Kreationen – bei Ihnen zuhause in der eigenen Küche?
Meist in der eigenen Küche, dass ist so zusagen mein Labor. Denn erst wenn es in kleinen Mengen lecker schmeckt, wird es umgesetzt auf eine Rezeptur für circa 15 Kilo. Aus Qualitätsgründen kochen wir nicht in größeren Mengen für mein Sortiment ein. Dafür aber öfter, um eine bestimmte Gläsermenge zubekommen.

Was zeichnet ihre Produkte, die inzwischen natürlich nicht mehr in der eigenen Küche entstehen, aus?
Zuhause produzieren und diese Produkte dann verkaufen, ist laut Lebensmittelgesetz verboten. Der heimische Herd dient immer nur zur Rezeptentstehung. Richtig vorschriftsmäßig gekocht werden die „Früchtchen“ in einer kleinen Manufaktur. Ich denke, mein Sortiment zeichnet sich durch die Liebe und die Qualität aus, mit der die Zutaten ausgesucht und dann in Handarbeit verarbeitet werden. Durch gewisse Gewürze oder Kombinationen bekommen die Sorten einen besonderen „Pfiff“.

Warum erlebt das Einkochen, dem noch nicht vor allzu langer Zeit oft etwas Altbackenes anhaftete, ein Revival?
Die Menschen besinnen sich wieder auf ihre Wurzeln, achten wieder mehr auf ihre Ernährung, sind gerne zu Hause und verwöhnen sich wieder selbst und andere gern mit selbstgemachten Kleinigkeiten.

Wie lässt sich die Kunst des Einkochens mit ernährungsbewusstem Denken vereinbaren
Das lässt sich in meinem Fall gut vereinbaren. Ich produziere hochwertige Fruchtaufstriche, das heißt der Fruchtanteil besteht aus 70 Prozent Frucht und nur 30 Prozent Zucker. Es gibt ein Gesetz, das diese Bezeichnungen regelt: Die Konfitürenverordnung. Wir alle verwenden als Oberbegriff das Wort „Marmelade“.  Streng genommen muss alles, was aus Zitrusfrüchten hergestellt wird, als Marmelade bezeichnet werden. Alles andere mit einem geringen Fruchtanteil und höheren Zuckeranteil gekocht bezeichnet man als Konfitüre.

Für mich ist der Fruchtaufstrich übrigens nicht nur auf dem Frühstückstisch im Einsatz, sondern findet auch in Milchshakes, auf Müsli oder als Fruchtsoße Verwendung.

Was sollte man beim Einkochen unbedingt beachten?
Immer mit guten Grundzutaten arbeiten, dass heißt Obst so einkaufen wie man es essen würde. Gläser und Deckel sterilisieren, um eine gewisse Haltbarkeit zu gewährleisten.

Sie sind die „Marmeladenfee“?
Der erste Teil meines Kinderbuches, das ich zusammen mit Susanne Lütje gemacht habe, heißt „Die kleine Marmeladenfee“. Bevor es die Geschichte gab, stand der Buchtitel schon fest, denn das war und ist eine Art Spitzname von mir. Und daraus ließ sich eine hübsche, spannende und lustige Geschichte für Kinder machen.

Das Thema Essen hat in Ihrer Familie sicherlich immer schon eine große Rolle gespielt. Wie hat Sie das geprägt und wie schlägt sich das auch heute noch in Ihrer Küche nieder?
Ich hatte das Glück eine Ess- und Tischkultur zu erleben und viele Lebensmittel probieren zu dürfen. In meiner Familie versuche ich diese Erfahrungen einzubringen, indem wir mindestens einmal pro Tag zusammen am Tisch sitzen und gemeinsam essen. Meine Küche ist eine eher „einfache, leichte und schnelle“ beispielsweise bestehend aus frischem Salat und Gemüse. Jedoch lege ich bei der Grundauswahl der Produkte Wert auf deren Qualität. Und natürlich hat auch das „Süße“ einen Platz, gern backe ich beispielsweise Kuchen oder diverse Süßspeisen wie Aufläufe und Palatschinken.

Zum Schluss noch eine Frage zu Ihrem Erfolgsrezept. Wie sieht Ihr Tipp für Frauen aus, die ein Geschäft aus einer Leidenschaft machen wollen?
Um aus einer Idee ein Geschäft zu machen, braucht es viel eigenes inneres Feuer, Freude daran die Idee wachsen zu sehen, Kreativität und ein vertrauensvolles Team im Umfeld, das zur Unterstützung beiträgt.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Véronique Witzigmann
Sie arbeitete als Eventmanagerin für einen Radiosender. Zwei Jahre jobbte sie dann im „Aubergine“, dem Restaurant ihres Vaters Sternekoch Eckart Witzigmann. Seit inzwischen acht Jahren ist Véronique Witzigmann in eigener Sache unterwegs. Die in Washington D.C. geborene 42-Jährige hat ihre Leidenschaft erfolgreich zum Beruf gemacht. Und ist längst mehr als eine Marmeladenfee. 2007 erschienen ihre ersten beiden Bücher. Weitere folgten, 2010 unter anderem ein Backbuch. Im September 2013 schlägt Véronique Witzigmann mit „Ein süßes Stück vom Glück – Lieblingsmehlspeisen, Blechkuchen & mehr“ ein weiteres Genuss-Kapitel auf.

Text: Corinna Bokermann | Fotos: BOS FOOD, iStockphoto, Véronique Witzigmann

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