Das Phantom der Straße

Banksy

Für die einen ist es Vandalismus, für die anderen ist es Kunst. Mit satirischer Street Art und subversiven Kommentaren hat Banksy den Spieß erfolgreich umgedreht: Die Vandalen sind nicht mehr diejenigen, die Straßen, Brücken und Wände „beschmieren“, sondern diejenigen, die Graffiti entfernen.

Streng genommen sind die meisten seiner Arbeiten illegal – wohl auch deshalb hält der Künstler seine Identität geheim. Doch vermutlich stammt der Street Artist aus Bristol, wo er seine Laufbahn in der lokalen Sprayer-Szene begann. Dort und in London tauchten seine Schablonen-Graffiti als erstes auf. Mittlerweile ist Banksy aber nahezu weltweit aktiv. Von Deutschland bis Down Under, von Italien bis Israel.

Egal, wo er seine Spuren hinterlässt, immer häufiger schlägt der gängige Reflex, Graffiti möglichst aus dem Stadtbild zu verbannen, ins Gegenteil um. „Aus Versehen“ übermalte Werke werden teilweise aufwändig wieder freigelegt und unter Plexiglas vor Zerstörung geschützt. Und es ist sogar schon vorgekommen, dass seine Bilder gestohlen – also mühsam von der Fassade abgetragen – wurden.

Dabei gehört Banksys Kunst ganz eindeutig nicht an die Wohnzimmerwand, sondern auf die Straße. Was er dort vorfindet, kommentiert und komplettiert der Sprayer mit augenzwinkerndem Witz, aber auch scharfer (politischer) Kritik. Die Straße inspiriert ihn und viele Arbeiten funktionieren nur in dem vorgefundenen Kontext. So verwandelte Banksy etwa das Verbotsschild „Graffiti is a crime“, in ein subversives Kunstwerk, indem er zwei Jungs scheinbar nach der Spraydose auf dem Schild greifen ließ. Auch die Zeilen anderer Sprayer kommentiert Banksy gerne kunstvoll. Unter den Schriftzug „No Future“ eines Vorgängers, sprayte er ein griesgrämig blickendes Kind an die Wand, das den Buchstaben „o“ scheinbar wie einen Luftballon hält.

Obwohl er dem Kunstbetrieb kritisch gegenüber steht, macht er sich einen Spaß daraus, immer mal wieder eigene Werke in berühmte Museen wie die Tate Modern, das New Yorker Museum of Modern Art oder den Louvre zu schmuggeln. Viele Ausstellungs- und Auktionshäuser reißen sich allerdings inzwischen ganz bewusst um seine Bilder. Aber auch hier schlägt Banksy der etablierten Szene gerne ein Schnippchen: Auf einer Auktion in New York verkaufte er 2013 einige Bilder zu Schnäppchenpreisen an ahnungslose Laien. Was die für 50 Dollar ergatterten, ist mittlerweile locker 50.000 wert.

Text: Stefanie Gomoll

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