Glasmanufaktur Harzkristall

Gläserne Einblicke in eine alte Handwerkskunst

Wie aus einer 1.176 °C heißen Rohglasmasse mit Hilfe einer sogenannten Glasmacherpfeife dekorative Lampen oder auch filigrane Schmuckstücke entstehen, erfährt man in Blankenburg auf beeindruckende Weise
in der Glasmanufaktur Harzkristall.

Die Verarbeitung von Glas ist eine der ältesten Handwerkskünste, die es gibt“, erklärt Ferdinand Benesch, Leiter Marketing & Tourismus von der Glasmanufaktur Harzkristall. „Im Zuge der Industrialisierung sind leider nur noch wenige traditionelle Glashütten wie unsere übriggeblieben.“ Dafür ist das Erlebnis vor Ort umso faszinierender, denn in der nördlichsten Glashütte Deutschlands wird wirklich das volle Rundum-Programm zum Thema Glas geboten: Neben der aktiven Produktion und dem Einkaufsshop gibt es hier obendrein auch Erlebnisführungen, Kurse und viele weitere Veranstaltungen, bei denen die Besucher das traditionelle Handwerk selbst austesten und kennenlernen können.
„An der Technik hat sich eigentlich bis heute nicht viel verändert“, sagt Ferdinand Benesch. „Die kristallklare Rohglasmasse wird bei 1.176 °C im Ofen eingeschmolzen. Die Glasmacherpfeife wird eingetaucht, ähnlich wie bei Honig, und durch ständiges Drehen um die Pfeife gewickelt. Ansonsten würde die Masse durch die Erdanziehungskraft zu Boden tropfen.“ Indem Luft durch die Pfeife geblasen wird, entsteht dann ein Hohlkörper, der über verschiedene Werkzeuge in Form gebracht werden kann. Um Farbe ins Spiel zu bringen, wird das heiße Glasgemenge bei circa 900 °C in farbige feinkörnige Glaskristalle getaucht, die sofort mit der restlichen Masse verschmelzen und sich durch das permanente Drehen verteilen. Dann heißt es warten, bis das Glas sich auf circa 500 °C abgekühlt hat und die nächste Schicht aufgetragen werden kann. So entstehen Schritt für Schritt beispielsweise Tropfenleuchten, dekorative Vasen und vieles mehr. „Für einen freigeformten Lampenschirm braucht man allein circa eine halbe Stunde, bis das ganze Glas aufgenom-men, eingefärbt und in Form gebracht ist. Deswegen sind die mundgeblasenen Objekte meist sehr preisintensiv aber auch etwas ganz Besonderes und stets ein Unikat“, erzählt Ferdinand Benesch. „Unsere Glasleuchten sind so auf der ganzen Welt zu finden: vom Deutschen Bundestag bis hin zu Kathedralen in Kanada.“

GEWUSST? Glas besteht zu 75 %  aus reinem Sand. Weitere Bestandteile sind Soda, Kalk und Pottasche.

Während die Glasmacher für die großen und schweren Glasobjekte zuständig sind, kümmern sich die Glasbläser um die kleinen filigranen Glasfiguren.
„Diese können entweder freigeformt sein, indem die heiße Masse beispiels-weise mit einer Zange in die richtige Form gezogen wird oder aber sie werden mit Hilfe von vorgefertigten Formen aus Holz oder Metall angefer-tigt“, erklärt der Experte. Glasmacher und Glasbläser sind übrigens ganz normale Lehrberufe, auch wenn sie leider extrem selten sind. „Denn was sich einfach anhört, benötigt dennoch enormes Geschick, viel Geduld und auch ein bisschen gestalterisches Feinge-fühl. Besonders bei den freigeformten Modellen bin ich selbst oft immer noch beeindruck, was unsere Mitarbeiter aus dem Klumpen Rohmasse alles zaubern können“, erzählt Ferdinand Benesch begeistert.
Wer es selbst mal versuchen möchte, hat in der Glasmanufaktur Harzkristall auf vielfältige Weise die Chance dazu. „Von einfach bis anspruchsvoll bieten wir ganz verschiedene Veranstal-tungen an, bei denen man sich selbst mal mit der Glasmacherpfeife oder beim Dekorieren und Verzieren ausprobieren kann. Kinderveranstaltungen sind natürlich auch dabei.“ Und anschließend kann im Einkaufsshop noch ein dekoratives Andenken mitgenommen werden – passend zu Weihnachten gibt es natürlich auch zwei Weihnachtsaustellungen mit einzigartigen Kugeln für den Tannenbaum daheim oder zum Verschenken.

Bis auf Neujahr, Karfreitag, Totensonntag, Heiligabend und den 1. Weihnachtsfeiertag hat die Glasmanufaktur Harzkristall das ganze Jahr für seine Gäste geöffnet. Der Besuch ist kostenlos. Zeiten und Preise für Erlebnisführungen, Kurse und weitere Veranstaltungen findet man unter: www.harzkristall.de.

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Wir verlosen 3 x 1 Gutschein für den Workshop „Trinkglas herstellen“ in der
Glasmanufaktur Harzkristall. An-/Abreise auf eigene Kosten.
Teilnahme bis zum 10.02.2019

Text: Jule Schrutek | Fotos: HARZKRISTALL

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