Modemethode

Karl Lagerfeld:
Die Ikone in Perfektion

Zu Lebzeiten bereits eine Legende. Karl Lagerfeld ist DIE Ikone der internationalen Modewelt. Der asketische Mann, der für sich selbst den Schwarz-Weiß-Look samt gepudertem Haarzopf erkoren hat und seine Augen stets hinter einer großen Sonnenbrille verbirgt, ist ein Phänomen – er selbst eine Marke. Sein Schaffensdrang als Designer, Fotograf und Autor schier nicht zu toppen. Das ist nun der Bundeskunsthalle Bonn eine eigene Ausstellung wert.

Noch bis zum 13. September lädt „Karl Lagerfeld. Modemethode“ zu einem Streifzug durch den Modekosmos des Ausnahmedesigners ein. „Ich habe nicht die geringste Lust auf Normalität, falls ich denn wüsste, was das heißt“, hat er mal gesagt. Dieses Credo spiegelt sich bereits über Jahrzehnte in seinen Entwürfen wider. Allein wegen der 62 Chanel-Looks ist die Ausstellung eine Reise wert. Daneben sind 20 Kleider aus seiner Zeit bei Chloé, 30 Kreationen für Fendi und noch so vieles mehr zu sehen. In Bonn wird Lagerfelds Methode in ihrer Gesamtheit gezeigt. Von den ersten Entwurfsskizzen bis zum fertigen Kleidungsstück, von den Accessoires über die Architekturkulisse und Musik der Modenschau bis zu den Fotos und dem Grafik-Design für Presse, Werbung, Katalog und Schaufensterdekoration entstammt jedes Detail dem Kopf und der Hand des Designers selbst. Eine einzigartige Karriere, die KL da hingelegt hat. Er zählt zu den bekanntesten Deutschen weltweit. Dabei soll er als Kind nicht besonders ehrgeizig gewesen sein. In einem Interview erzählte der exzentrische Mode-Zar: „Meine Mutter hat versucht, mich für das Klavierspiel zu begeistern. Eines Tages klappte sie den Klavierdeckel auf meinen Fingern zu und meinte: „Zeichne lieber, das macht weniger Lärm.“ Eine glückliche Fügung – für Mutter und Sohn.

Die Stationen seines Schaffens lesen sich wie das Who’s who der renommierten Luxusmodehäuser. Alles fing 1954 mit einem Mantel an, den Lagerfeld designte und der ihm nicht nur den Preis des Internationalen Wollsekretariats (Woolmark Prize), sondern auch sein erstes Engagement bei Balmain einbrachte. Vier Jahre später wechselte er als Art Director zu Jean Patou, ab 1963 ist er u. a. federführend bei Chloé, wo seine Prêt-à-porter-Kollektionen vor allem in den 1970er Jahren als Sensationen gelten. Lagerfeld gelingt es, den luftigen, oft romantisierenden und musterreichen Chloé-Stil weiterzuentwickeln.

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„Zeichne lieber, das macht weniger Lärm“

Für das Modehaus Fendi beginnt Lagerfeld 1965 zu entwerfen und ist dort nach wie vor für die Prêt-à-porter-Kollektionen verantwortlich. Die typisch römische, mitunter lässige Eleganz, für die das italienische Label bekannt ist, trägt eindeutig seine Handschrift.
In den 1970er Jahren ist Lagerfelds Name längst in aller Munde, die Vogue bespricht seine Kreationen, und er zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Modebranche. Der Designer beginnt zu diesem Zeitpunkt eigene Wege zu beschreiten und gründet das erfolgreiche Label „Karl Lagerfeld“. 13 Kleider und Kostüme der Marke Karl Lagerfeld aus den Jahren 1986 bis 2011 zeigen in der Ausstellung übrigens die „straßentaugliche“ Seite des Designers, der auch für H&M oder Diesel junge und tragbare Konfektionsmode entworfen hat. Last but not least wäre da Chanel – ohne KL nicht denkbar. Seit 1983 gilt er unter Experten als einzig legitimer Nachfolger der Gründerin und Modelegende Coco Chanel. Er hat den Mode-Klassiker durch unkonventionelles Design stetig erneuert, und auch sich selbst scheint er immer wieder neu zu erfinden. Der typische Chanel-Chic, die Eleganz des scheinbar schlichten Entwurfs, findet durch ihn seine Verbindung mit dem Zeitgeist. Apropos Zeitgeist: Karl Lagerfeld liebt die Innovation. Gerade macht er sich auf den Weg, die Welt der Haute Couture mit innovativer 3D-Technik zu revolutionieren. Das ist neu und ungeheuer spannend, denn die Entwürfe der neuen Chanel-Kollektion kommen gänzlich ohne Nähte aus. Nicht das herkömmliche Garn, sondern ein Laser verbindet die Materialien. Eine Neuerung in der Welt der Haute Couture die nur KL wagen kann und die bestimmt ganz neue Möglichkeiten in der Kreation bietet.
Seine Kreativität scheint unerschöpflich und so fragt man sich, wann dieser Mann eigentlich jemals schläft. So kreierte er zum Beispiel für Opel einen Kunstkalender, bei dem er zwei ungewöhnliche Fotomodelle zusammenbringt: den Opel Corsa und seine Birma-Katze Choupette. Bei dieser Gelegenheit outete sich der Designer als Fan des neuen Opel Corsa, den er bereits bestellt habe. Vor allem das Rot und die neuen Sitze haben es ihm angetan. „Gerade in der Stadt ist ein solcher Wagen perfekt“, so KL.

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Text: Eike Birck | Fotos: Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland

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