Kubanisches Intermezzo

Reise in die Vergangenheit

Auf den Straßen von Havanna erlebt man eine Zeitreise wie wohl an kaum einem anderen Flecken der Erde. Jeden Abend ziehen unzählige Musikbands durch die Bars und Restaurants der Altstadt, ein Hauch von Zigarre liegt in der Luft und bis zum nächsten Cocktail ist es nie weit. Eine Stadt ohne McDonald‘s, Starbucks oder 7-Eleven. Ohne blinkende Reklame, aber dafür mit jeder Menge marodem Charme. Die pulsierende Metropole des Karibikstaates versprüht Lebensfreude – und ist im Wandel.

Oldtimer fahren am Malecón – der Uferpromenade – in gemächlichem Tempo vorbei, in unregelmäßigen Abständen brechen sich die Wellen an der Kaimauer und sorgen beim Flanieren am Meer für eine unerwartete Erfrischung. Die Altstadt mit ihren Kolonialbauten, Arkaden und schmiedeeisernen Balkonen ist eine Reise wert. Die wechselvolle Geschichte der kubanischen Hauptstadt lässt sich an herausgeputzten und verfallenen Gebäuden ablesen. Einst eine mondäne Stadt verfiel sie nach Castros Revolution zusehends. Die Altstadt, La Habana Vieja, wird seit rund 20 Jahren allmählich restauriert – nicht zuletzt für den Tourismus, der in dem vom Handelsembargo geplagten Land eine der Haupteinnahmequellen darstellt.
Von der Dachterrasse des altehrwürdigen Hotel Ambos Mundos, das in den Goldenen 1920ern erbaut wurde, hat man nicht nur einen grandiosen Blick über die Stadt, sondern man kann auch auf den Spuren des legendären Ernest Hemingway wandeln. Mehr als 20 Jahre verbrachte der Literaturnobelpreisträger und Autor von „Der alte Mann und das Meer“ in Kuba – zunächst als Dauergast des Hotels und ab 1939 auf seiner eigenen Finca in San Francisco de Paula. Es ist dieses besondere Flair der Stadt, das einen nicht mehr loslässt und nur zu verständlich, dass Schriftsteller angefangen bei Ernest Hemingway und Graham Greene über Hans Herbst bis hin zu Helge Timmerberg hier einfach hängengeblieben sind. Wer nicht nur die Altstadt Havannas erleben möchte, kann für die „Perle der Karibik“ gut ein paar Tage mehr einplanen.

Ein Traum von der Karibik

Neben Barock, Neoklassizismus, Museen, Oldtimern und geschmackvollen Bars im Kolonialstil hat der Osten der Hauptstadt auch schon einige schöne Strände zu bieten, an denen man entspannt den Blick über das sprichwörtliche türkisfarbene Meer schweifen lassen kann. Weitere traumhafte Karibikstrände sind in jeder Provinz zu finden. Für einen Urlaub im Resort bieten sich die Haupttouristenorte Varadero, Guardalavaca oder die durch einen Damm mit dem Festland verbundenen Inseln Cayo Coco oder Cayo Santa Maria an. Aber auch menschenleere Strände findet man auf dieser abwechslungsreichen Karibikinsel, wie z. B. in der noch touristisch wenig erschlossenen Provinz Las Tunas.
Kuba ist das Land der Zigarren. Immer raucht irgendwer eine Habano. Das Klima meint es gut mit den Tabakpflanzen, die vornehmlich im Westen des Landes wachsen und dort zu dem hochwertigen Exportschlager gerollt werden. In der Region Pinar del Rio liegt auch das beschauliche Viñales. Aus dem fruchtbaren Talboden ragen unwegsame Kegelkarstberge auf. Diese „Mogotes“ – umgeben von Tabakplantagen – verleihen der Landschaft etwas Einzigartiges und laden ein zu ausgedehnten Spaziergängen oder Höhlentouren.

Bildergalerie

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Kuba in Bewegung

Die Felder werden hier noch in schweißtreibender Handarbeit und mit Hilfe von Ochsen bestellt. Was der Garten abwirft, sichert das Überleben. Die Menschen sind arm. Der Staat versucht durch subventionierte Grundnahrungsmittel dafür zu sorgen, dass niemand verhungert. Die Lebensmittelmarken reichen jedoch häufig nur bis zur Monatsmitte. Dann blüht der Schwarzmarkt – jedenfalls für die, die es sich leisten können. Der durchschnittliche Monatslohn bewegt sich zwischen 12 und 15 Euro. Wer mit Touristen arbeitet, hat Glück. So erhält ein Barkeeper an einem Abend so viel Trinkgeld wie ein Automechaniker im ganzen Monat.
Das Reisen auf Kubas Straßen selbst ist schon ein Abenteuer. Während die zum Teil sechsspurigen Autobahnen menschenleer sind – man könnte hier beinahe ein Fußballspiel stattfinden lassen – ist die Hauptlandstraße, die alle größeren Städte des Landes miteinander verbindet, voll von Autos, Pferdekutschen, Radfahrern, Menschen, Hunden, Kühen, Hühnern und nicht zuletzt richtig großen Schlaglöchern. Da ist beim Fahren vollste Konzentration gefordert.

Und auch der äußerste Westen des Landes besticht durch seine Natur. Um Baracoa befindet sich tatsächlich noch ein Stück Regenwald und mit El Yunque ein waschechter Tafelberg. Das 575 Meter hohe Massiv ist aus Kalkstein und ragt aus dem üppig wuchernden Grün hervor.
Und was wäre Kuba ohne seine Musik. Spätestens seit Buena Vista Social Club erfreuen sich die karibischen Rhythmen auch in Deutschland größter Beliebtheit. Die Songs über Liebe und Sehnsucht gehen zu Herzen und fahren auch direkt in die Beine. Santiago de Cuba, die zweitgrößte Stadt im Land, ist vielleicht die beste Adresse, diese mitreißende Musik live zu erleben. Von Havanna bis zum südlichsten Punkt Floridas sind es keine 170 km und doch liegen Welten zwischen Kuba und den USA. In Kuba gibt es (noch) keine Werbetafeln. Und so ist es manchmal gar nicht so einfach zu identifizieren, welche Waren ein Geschäft gerade so anbietet – wenn die Regale aufgrund der Mangelwirtschaft nicht gerade leer sind. Geworben wird auf überdimensionieren Wandmalereien allenfalls für den Sozialismus. Die Konterfeis von Fidel und Che sind allgegenwärtig.
Kuba bietet für jeden Geldbeutel eine spannende Zeitreise – vom 5-Sterne-Resort bis hin zu Privatunterkünften in Casas Particulares, in denen der Gast häufig ein Zimmer im Haus einer kubanischen Familie bewohnt. Andere Casas haben schon fast Hotel- oder Pensionscharakter. Die Privatunterkünfte waren ein erster Schritt der kubanischen Regierung sich dem Tourismus – auch nach Westen hin – zu öffnen. Seit Beginn des Jahres 2015 kommt es nach der über 50-jährigen Eiszeit zwischen den USA und Kuba zu sanften Annäherungen. Bleibt abzuwarten, ob und wie sich der karibische Inselstaat dadurch verändern wird. Coca-Cola gibt’s allerdings schon lange – hergestellt in Mexiko.

Must-see

Havanna – pulsierende Metropole zwischen Kolonialprunk und Ruinen

Cayo Coco – Traumstrand an der Nordküste

Trinidad – besterhaltene Kolonialstadt mit bunten Häusern und Flair

Viñales – ein Sonnenuntergang von der Terrasse des Hotel Los Jazmines mit Blick auf das Tal

 

Text & Fotos: Eike Birck

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